Die meisten Modulatoren geben dir eine Form vor – eine Sinuswelle, eine zufällige Kurve, eine Hüllkurve – und verlangen von dir, diese auf etwas abzubilden. Jellygon wirft dieses Schema komplett über den Haufen. Anstelle einer statischen Wellenform bietet es dir eine Feder-Physik-Simulation: ein Netzwerk miteinander verbundener Punkte, die sich in Echtzeit gegenseitig schieben, ziehen, abprallen und aufeinander reagieren. Das Ergebnis ist eine Modulation, die sich nicht nur bewegt – sie verhält sich.
Jellygon wurde von MUDJAQ entwickelt und ist ein Modulator mit 8 Zuordnungsmöglichkeiten, der auf einer Federphysik-Engine basiert. Jeder der acht Punkte im System fungiert als Modulationsquelle und ist physikalisch mit den anderen verbunden. Berühre einen Punkt, und die Welle breitet sich aus. Wende einen Impuls an, und das gesamte System gerät in Bewegung. Passen Sie die Masse an einem einzelnen Punkt an und beobachten Sie, wie sich das gesamte Netzwerk neu kalibriert. Das ist keine Modulation, die Sie programmieren – es ist eine Modulation, die Sie in Gang setzen und dann mitreißen lassen.
Das Vibe
Jellygon befindet sich auf wunderbare Weise an der Schnittstelle zwischen organischer Bewegung und kontrolliertem Chaos. Für Produzenten, die im Bereich Ambient, experimenteller oder generativer Musik arbeiten, eröffnet es eine Welt sich langsam entwickelnder Texturen, die sich nie ganz wiederholen – jene Art subtiler, atmender Modulation, die einem Synth-Pad das Gefühl verleiht, tatsächlich lebendig zu sein. Erhöht man die Federsteifigkeit, stellt eine höhere Masse ein, befindet man sich plötzlich in einem Bereich, der sich anfühlt wie ein System am Rande des Zusammenbruchs: perfekt für Industrial-Texturen, Noise-getriebenen Techno oder glitchiges, unvorhersehbares Sounddesign.
In der Performance-Dimension hebt sich Jellygon wirklich von anderen ab. Da du mithilfe der „Grab“- und „Pulse“-Regler in Echtzeit Kraft ausüben kannst, ist dies nicht nur ein Modulator, den man einmal einstellt und dann vergisst – es ist ein Performance-Instrument. Greife einen Griff, ziehe ihn quer durch den XY-Raum und lasse ihn los; das Federsystem reagiert, schwingt über, oszilliert und beruhigt sich allmählich (oder auch nicht, wenn das deine Absicht ist). Lass ihn mit einer festgelegten Geschwindigkeit pulsieren, um rhythmische, perkussive Modulationsausbrüche zu erzeugen. Es ist genau diese Art der Interaktion, die dich dazu bringt, lieber einen Live-Take aufzunehmen, als eine Automation zu zeichnen.
Hauptmerkmale
- Federphysik-Simulation: Eine echte Physik-Engine steuert die gesamte Modulation – miteinander verbundene Punkte, die aufeinander reagieren, anstatt unabhängig voneinander zu laufen
- 8 zuweisbare Modulationsquellen: Jeder Punkt in der Simulation kann einem beliebigen automatisierbaren Parameter in Ableton Live zugewiesen werden, sodass dir bis zu 8 gleichzeitige Modulationsziele zur Verfügung stehen
- Einstellung „Spring Rate“: Passen Sie die Steifigkeit der Feder an, um zu bestimmen, wie schnell und präzise das System reagiert – von langsamer, elastischer Bewegung bis hin zu einer straffen, schnellen Reaktion
- Dämpfungsregler: Stellen Sie die Dämpfungsdauer ein, um zu bestimmen, wie lange die Bewegung nach Einwirkung einer Kraft anhält – von schnellem, kontrolliertem Ausklingen bis hin zu langer, anhaltender Schwingung
- Individuelle Masseneinstellungen: Jeder Griff verfügt über einen eigenen Massenwert, was ein ungleichmäßiges, komplexes physikalisches Verhalten im gesamten Punktnetzwerk ermöglicht
- Handle XY / Grab: Manipuliere einzelne Punkte direkt im 2D-Raum – intuitive, praktische Steuerung für Live-Auftritte und die Erkundung von Sounddesign
- Handle „Attack“: Gestalten Sie, wie jeder Punkt bei anfänglicher Krafteinwirkung reagiert, und verleihen Sie dem System so eine zusätzliche Ausdrucksschicht
- Puls & Pulsgeschwindigkeit: Löst einen Kraftimpuls mit definierter Geschwindigkeit aus – ideal zur Erzeugung rhythmischer oder periodischer Modulationsmuster ohne manuelle Eingriffe
- Parameterbereich & Bereichstyp: Präzise Steuerung der Minimal- und Maximalwerte, die jede Modulationsquelle erreichen kann, sowie Definition des angewandten Bereichszuordnungstyps
- „Wild tendency“: Eine bewusst in das System eingebaute Instabilität – wenn man Jellygon weit genug reizt, gerät es außer Kontrolle und erzeugt intensive, unvorhersehbare Modulationsereignisse
So funktioniert es
Im Kern platziert Jellygon acht Punkte in einem simulierten physikalischen Raum, in dem jeder Punkt eine Masse besitzt, über Federkräfte verbunden ist und einer Dämpfung unterliegt. Wenn du auf einen beliebigen Punkt Kraft ausübst – entweder durch Greifen und Ziehen über die „Handle XY“-Oberfläche oder durch Auslösen eines Impulses –, übertragen die Federverbindungen diese Energie über das gesamte Netzwerk. Schwerere Punkte bewegen sich langsamer und haben eine größere Trägheit; leichtere Punkte schnellen schnell zurück. Straffere Federn erzeugen schärfere, reaktionsschnellere Bewegungen; lockerere Federn erzeugen langsame, mäandernde Driftbewegungen.
Die Position jedes Punktes in diesem simulierten Raum wird als Modulationswert ausgelesen und direkt auf einen Parameter deiner Wahl in Ableton Live abgebildet. Während sich das System bewegt, bewegen sich diese abgebildeten Parameter mit – Filter-Cutoffs schwingen, Hallgrößen dehnen sich aus und ziehen sich zusammen, die Tonhöhe driftet, die Verstärkung verschiebt sich. Und da die Physik-Engine kontinuierlich und vernetzt arbeitet, gleicht kein Moment dem anderen. Selbst ein System, das sich scheinbar beruhigt hat, wird gelegentlich durch Restenergie in einen neuen Bewegungszyklus versetzt.
Die Kombination aus den Einstellungen für „Grab“, „Pulse“, „Spring Rate“, „Damp“ und „Mass“ gibt dir echte kreative Kontrolle über den Charakter der Modulation – von vorhersehbaren, musikalischen Schwankungen bis hin zu völlig chaotischem Verhalten –, ohne dass du auch nur eine einzige Automationsspur zeichnen musst.
Für wen ist es gedacht?
Jellygon ist für Produzenten gedacht, die von vorhersehbarer Modulation gelangweilt sind. Wenn du dir schon immer gewünscht hast, dass deine Synthesizer ohne LFO atmen, deine Effekte ohne Automation driften oder sich deine Live-Performance wirklich reaktiv und unvorhersehbar anfühlt – dann ist dies das richtige Tool. Es ist gleichermaßen zu Hause in Ambient- und experimentellen Produktionen, in Live-Techno- oder Industrial-Sets, bei denen Unvorhersehbarkeit ein Merkmal ist, sowie in Sounddesign-Kontexten, in denen du Bewegung benötigst, die sich menschlich und physisch anfühlt, anstatt mathematisch perfekt zu sein. Weise ihm alles zu: Filter-Cutoff, Reverb-Send, Delay-Feedback, Tonhöhe, Lautstärke, Pan – der Federmechanismus ist da ganz flexibel. Er bewegt sich einfach.
Technische Details
Jellygon erfordert Ableton Live 12 Suite oder Ableton Live 12 Standard mit installiertem Max for Live-Add-on. Kompatibel mit Mac und Windows.
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